Kevin Müller / WV Paderborn

Der Jazzclub Paderborn eröffnete am Freitagabend die Konzertsaison in dem für den Musikclub neuen Räumlichkeiten im Deelenhaus mit einem Gast, der europaweit bereits hohe Wellen geschlagen hat: Nils Wülker, einer der erfolgreichsten Jazztrompeter und Komponisten in Europa, trat zusammen Albin Janoska, Oli Rudow und Ingo Schmidt auf der ausverkauften „Kleinen Bühne“ in Paderborn im Rahmen der Tour zum neuesten Album „GO“ auf.

Künstlerischer Leiter Uli Lettermann stellte Wülker dabei zu Beginn als „das so ziemlich Beste, was man jazz-technisch in Europa kriegen kann“ vor und sollte dabei nicht übertrieben haben. Über insgesamt zweieinhalb Stunden wurde das Publikum von den mal gefühlvollen, mal kräftigen und überraschenden Werken des Startrompeters auf eine Reise quer durch die Diskographie des gebürtigen Bonners entführt, der zu jedem Titel eine kleine, aber oftmals sehr persönliche Anekdote erzählen konnte.

So machte den Auftakt etwa der Titel The You of Now, der 2020 zu Beginn des Lockdowns entstand und sich mit der Frage „Wo ist die Zeit geblieben?“ in gefühlvollen und zugleich mitreißenden instrumentalen Passagen auseinandersetzt. Auch der internationale Einfluss auf Wülkers Kompositionen machte sich bemerkbar: Sei es nun das Stück Highline, das trotz aller pandemiebedingter Widerstände in Zusammenarbeit mit dem New Yorker Jazzmusiker Theo Croker mit dem Atlantik als Sicherheitsabstand entstanden ist, oder auch der Titel Dawn, der auf dem Album UP erschienen ist und den eindrucksvollen Sonnenaufgang über den Hollywood Hills in Los Angeles als Inspiration innehat.

 

Kritik von Moritz Jülich, Neue Westfälische vom 14.02.2022