29.10.2021

PADERBORN (WV).

Von Volker Kukulenz

Ein hochspannendes Jazzkonzert hat David Helbrock’s Random/ Control Trio am Freitag im großen Saal der Kulturwerkstatt gespielt. Der junge Pianist hat in den vergangenen Jahren für internationales Aufsehen gesorgt und auf allen Kontinenten gespielt. Etliche CD Veröffentlichungen und Auszeichnungen kann der 32-jährige Österreicher bereits vorweisen. Komplettiert wird das Trio durch Helbocks Landsleute Johannes Bär und Andreas Broger. Bär scheint alles zu spielen, was im Entferntesten ein Blechblasinstrument sein könnte. Neben dem imposanten Sousaphon sieht man Euphonium, Flügelhorn und tatsächlich ein ausgewachsenes Alphorn. Allerlei Handperkussion hat er ebenfalls dabei, und als ob das nicht genügen würde, ist er ein veritabler Beatboxer, der ein Schlagzeug nicht vermissen lässt. Broger hingegen ist für die Holzblasinstrumente zuständig und nutzt neben Tenor- und Sopransaxophon (zeitweise gleichzeitig) gefühlt alles von der Blockflöte bis zur Bassklarinette.

Auch Gesang ist gelegentlich zu hören, dieser zwar eher rau und als poetisches Element, jedoch unerhört „jazzy“ und in jedem Fall passend. Die Besonderheit dieses Trios ist jedoch nicht die instrumentale Vielfalt, sondern die klangliche Grenzüberschreitung. So schlägt, streicht oder dämpft Helbock die Saiten des Flügels, wie man es auch in der Neuen Musik gelegentlich hört. Zusätzlich nutzt er ein komplexes digitales Effektgerät, mit dem der Klavierklang verfremdet und angereichert wird. Auch die Bläser werden häufig durch elektronische Effekte verfremdet. Das Ergebnis ist oft sphärisch, manchmal sogarverstörend fremd. Die Quelle eines jeden Tons ist und bleibt jedoch das akustische Instrument und jeglicher Effekt dient ausschließlich der musikalischen Aussage. Wo bleibt hier der Jazz, mag man sich fragen: nun, er ist das Fundament dieser Musik, und neben gehaltvollen Eigenkompositionen spielt man ganz selbstverständlich bekannte Standards. Es gibt virtuose Solos, viele Zitate und überraschende Wendungen. Das Trio beherrscht stilsicher von Swing über Hardbop bis Contemporary alle Spielarten. Ohne in Klischeeszu verfallen, wird demonstrieret, wie man imJazz Neues kreiert und dabei das Publikum mitnehmen kann. Die Zuhörer, darunter auffallend viele junge Menschen, waren mehr als begeistertund feierten das Trio mit frenetischem Applaus.

Das nächste Konzert des Jazzclubs ist wieder „klassischer“ Blues mit der Al Jones Band am 12. November.  Kartenreservierungen per Email an: info@jazzclub-paderborn.