Rezension Kyla Brox in der Kulturwerkstatt 27.11.2021
Text: Jazzclub Paderborn / Volker Kukulenz           

Video: Benny Düring – Bilder: Dave Lubek

Große Erwartungen knüpfte der Jazzclub an das Konzert am letzten Samstag, denn Kyla Brox wird in England als neuer Shooting Star der Szene gehandelt. Mehrere Blues Awards wurden ihr bereits zuteil.

Der Club hatte das Publikum gebeten sich zusätzlich zu 2G im Vorfeld selbst zu testen. Gute Lüftung und CO2-Ampeln taten ein Übriges, so war das Konzert gut besucht und die Stimmung im großen Saal entspannt.
Der eher minimale Aufbau der Begleitband ließ eine klassische Bluesrock-Combo erwarten, wie es sie hundertfach gibt. Doch welch eine Offenbarung: die drei Instrumentalisten spielten keinen Ton zuviel, aber dermaßen auf den Punkt, dass selbst ein typischer Blues-Shuffle nicht im Geringsten angestaubt klang. So geht Blues im 21. Jahrhundert. Herausragend die Gitarrensoli von Paul Farr, getragen von Mark Warburton am Schlagzeug und Danny Blomeley am Bass.

Mit beeindruckender musikalischer und physischer Präsenz hatte Kyla Brox den Saal vom ersten Moment an in der Hand. Als Tochter eines professionellen Bluesmusikers stand sie schon im Alter von 12 Jahren mit dem Vater auf der Bühne. „Being A Bluesman’s Child“ erzählt von diesen Zeiten, wo fehlender Schlaf schonmal auf der Schulbank nachgeholt wurde. Wenig später nahm sie einige Jahre Unterricht bei einer Opernsängerin. Diese hätte die junge Kyla gern am Konservatorium gesehen, doch die Liebe zu Blues und Soul war stärker als das Interesse am klassischen Metier. Welch ein Glück, denn diese Kombination erlaubt ihr, von bluesmäßigem Growling in tiefer Alt-Lage bis zu souligen ad-libs in höchste Höhen zu gehen, alles zwischen Etta James und Gladys Knight ist ihr mühelos möglich. So gelingt es der Künstlerin, den textlichen Inhalten ihrer Songs eine immense musikalische Tiefe zu verleihen. Gleichzeitig bleibt es das, was Blues und Soul ausmacht – etwas rau, immer direkt und ehrlich.

Als „neue Etta James“ angekündigt, gab es neben Eigenkompositionen eine umwerfende Hommage an das auch nach eigenem Bekunden große Vorbild in Form von „I’d rather go blind“ und als Zugabe nach stehenden Ovationen eine Interpretation von Cohens „Halleluja“, mit der Kyla Brox das Publikum erst sprachlos und dann in tosenden Applaus ausbrechend zurück ließ. So etwas hat man selbst im Jazzclub lange nicht gehört.